Google Home im Test: Ein Stück ungewisse Zukunft

Ab Dienstag ist Google Home auch in Deutschland zu erstehen, ich konnte den smarten Lautsprecher aber schon seit einigen Monaten auf englisch – und seit wenigen Tagen auf deutsch – testen. Grund genug, meine Erfahrungen niederzuschreiben und eine Empfehlung auszusprechen. Lohnt sich der Kauf von Google Home?

Google Home ist Googles Kandidat auf dem Markt einer neuen Geräteklasse, die Lautsprecher und KI-Assistenten verbindet. Dabei platziert sich Home etwa in der Mitte zwischen Amazons Assistant-fokusiertem Bewerber Echo und Apples angekündigtem Home Pod, der sich eher auf die Musikqualität konzentrieren wird. Preislich allerdings bewegt sich Google Home mit 149 Euro UVP eher zwischen Amazons Echo und Echo Dot, während Apples Home Pod preislich mehr mit Multiroom-Experte Sonos konkurrieren möchte.

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Die Hardware des Google Home

Wie im Vorfeld seiner Veröffentlichung schon zur Genüge berichtet wurde, ähnelt Google Home im Herzen einem Chromecast, der um Lautsprecher, Mikrofone und eben den Google Assistant erweitert wurde. Mindestens ebenso bekannt sollten die Vergleiche mit einem Raumduftspray oder einem Salzstreuer sein.

Tatsächlich fällt Google Home mit einer Höhe von 143 Millimetern kleiner aus als erwartet und wird vom Amazon Echo deutlich überragt. Statt wie dieser auf 7 rundherum angeordnete Mikrofone zu setzen beschränkt sich Home auf 2, was der Erkennungsgeschwindigkeit und -Qualität der Aktivierungsphrase allerdings keinen Abbruch tut.

Auf der abgeschrägten Oberseite befinden sich 12 kreisförmig angeordnete RGB-LEDs, die der Anzeige von Aktivität dienen. Sind sie inaktiv, ist ihre position so gut wie nicht sichtbar, was den Lichtern eine futuristische Anmutung gibt. Zu dieser trägt maßgeblich auch das Touch-Panel an der Oberseite bei, das – ebenfalls unsichtbar – zur manuellen (De)Aktivierung und zum Einstellen der Lautstärke dient. An der Rückseite befindet sich außerdem ein Hardware-Button, der zur Deaktivierung der Mikrofone dient – ein Zustand, auf den rot leuchtende LEDs auffällig hinweisen.

Innerhalb der austauschbaren, stoffüberzogenen Basis schließlich findet sich der Lautsprecher, mit dem Google Home sowohl Antworten auf Fragen als auch Musik ausgeben kann. Diese beiden Hauptfunktionen schauen wir uns unten im Detail an.

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Google Home als Assistent

Das Kern-Feature von Google Home ist das selbe wie das von Amazons Echo: Ein KI-getriebener Assistent, der ständig in Hörweite ist, auf Fragen antwortet, Informationen bietet und (einfache) Aufgaben im Smart Home per Sprachkommando ausführt.

Der Assistant selbst ist Nutzern eines Pixel (XL) Phones bestens bekannt: Dort beantwortet er schon seit einigen Monaten auch auf deutsch Fragen und hilft bei der Sprachsteuerung verschiedener Apps. Auf Google Home übertragen ist der Assistant jedoch nicht nur einfacher per Sprachkommando erreichbar, er lernt auch einige neue Tricks: Statt Apps kann er nämlich diverse Smart-Home-Geräte steuern. Neben verschiedenen Drittanbieterintegrationen wie Philips Hue, TP-Link, Honeywell und natürlich dem von Google übernommenen Nest profitiert Google hier einmal mehr von seinem weit verzweigten Ecosystem: Google Home kann auch Chromecasts und Lautsprecher mit Chromecast Built-in ansteuern, um Videos, Fotos und Musik wiederzugeben.

So kann Home per Sprachbefehl etwa Serien auf dem Chromecast starten, pausieren und sogar Episoden überspringen – letzteres sorgte in meinem Test für einen echten Wow-Effekt.

Googles Ecosystem ist ebenfalls von Nutzen, wenn es um das Beantworten von Fragen geht: Der Knowledge Graph macht das Erkennen von Entitäten (Länder, Personen, Behörden, Unternehmen, …) zum Kinderspiel, Google Maps liefert zuverlässige Verkehrsinformationen, mit Google Photos lassen sich gezielt Urlaubsfotos als Diashow vorführen, und und und.

Google Home brilliert umso mehr, je mehr man selbst Googles Ecosystem nutzt.

Im Vergleich zu Google Assistant auf dem Smartphone gibt es auf Google Home aber auch einige Einschränkungen: Man kann nicht telefonieren, keine Nachrichten schreiben und auch keine Erinnerungen erstellen. Das verwundert etwas, denn in anderer Hinsicht sind die Assistants auf Smartphone und Home direkt verbunden: Ist das Smartphone näher am Nutzer als Home, dienen dessen Mikrofone zur Spracherkennung. Hat man Home installiert lassen sich umgekehrt auch am Smartphone per Sprachbefehl Smart Home Devices bedienen. Warum also nicht auch per Home Erinnerungen erstellen und auf dem Smartphone wiedergeben? Bleibt zu hoffen, dass Google hier nachrüstet.

Ebenfalls unverständlich ist die Einkaufsliste, die ursprünglich in Google Keep gepflegt werden konnte, später in eine eigene Web-App ausgelagert wurde und inzwischen gar nicht mehr zu funktionieren scheint. Google hat also noch einige Baustellen fertigzustellen …

Google Home als Lautsprecher

Als Lautsprecher funktioniert Google Home wie jedes andere Device mit angeschlossenem Chromecast Audio oder Chromecast Built-in. Entweder startet man die Wiedergabe (von Google Play Music, Spotify oder Tune-In) per Sprachbefehl oder per Cast-Button vom Smartphone oder Laptop aus. Entsprechend gliedert sich Google Home auch in Googles Multi-Room-Prinzip ein: mehrere Devices können zu Gruppen zusammengeschlossen werden, um gemeinsam einen oder mehrere Räume zu beschallen. Im Gegensatz zum deutlich professionelleren Sonos-Angebot gibt jeder Speaker aber immer alle Sound-Kanäle aus. Mehrere Boxen zu einem Stereo- oder gar Surround-System zusammenzuschließen ist nicht möglich.

So reicht Google Homes Sound auch gerade für kleine oder mittlere Räume und ist definitiv keine Alternative für audiophile Nutzer. Für etwas Beschallung am Frühstückstisch reicht es aber allemal, und dank Sprachsteuerung ist Home genau dafür auch unglaublich bequem und gut geeignet.

Google Home auf deutsch: Was ist anders?

Wie schon beim Google Assistant auf dem Smartphone sind auch bei Google Home einige Features der Lokalisierung zum Opfer gefallen. So fehlt etwa der Zugriff auf Rezepte, den Taxiruf und ähnliche Dienste, die erst über die Integration von Drittanbietern möglich sind. Entsprechend vermisst man beim Assistant auf dem Smartphone auch der Explore-Tab für Actions on Google, der bei englischer Sprachausgabe im rechten oberen Eck angezeigt wird.

Doch damit genug der Kritik, denn an anderer Stelle funktioniert die Lokalisierung sehr gut: Google hat nämlich deutsche Nachrichtenportale als Launch-Partner gewinnen können. Neben der Tagesschau in 100 Sekunden und einigen Lokalblättern stehen derzeit vor allem Tech-Publikationen wie heise, Golem und Giga zur Verfügung.

Außerdem wurden verschiedene Unterhaltungsfunktionen wie Witze, Ratespiele und Tierstimmen (🐔🐒 🐷 …) erfolgreich eingedeutscht. Selbst einige englischsprachige Memes funktionieren bei deutscher Spracheinstellung!

Da der offizielle Deutschlandstart von Google Home erst für morgen anberaumt ist, dürfte sich in den nächsten Tagen und Monaten das Angebot schnell vergrößern. Selbst in den letzten Tagen, seit die deutsche Sprachoption verfügbar ist, sind mir sowohl neue News-Integrationen als auch Verbesserungen an Google Homes Antworten aufgefallen.

Fazit und Ausblick: Lohnt sich die Anschaffung von Google Home?

Ob sich die Anschaffung von Google Home lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab. Wer wenige Google Services nutzt, weder Netflix noch YouTube per Chromecast konsumiert oder einige Smart Home Devices sein Eigen nennt, bekommt mit Google Home eine Frage-Antwort-Maschine mit Lautsprecherfunktion, die kaum mehr kann, als einen Partygast zu überraschen.

Wer sich jedoch als Early Adopter schon mit der Heimautomatisierung beschäftigt (und zufällig auf die richtigen Anbieter gesetzt) hat, ohnehin viel im Googleverse unterwegs ist und beim möglichen Next Big Thing, den Voice User Interfaces, von Anfang an dabei sein möchte, der sollte hier zuschlagen.

Warum schreibe ich mögliches Next Big Thing? Noch ist nicht entschieden, ob Voice Interfaces komplett ohne Display sich überhaupt durchsetzen werden. Amazon etwa bietet mit dem Echo Show (in den USA) einen Röhrenfernseher eine weitere Platform für seinen Assistenten Alexa an, die neben der Sprache eben wiederum einen Bildschirm als Schnittstelle bietet.

Gut möglich also, dass smarten Lautsprechern bald ein ähnliches Schicksal blüht wie den ehemals gehypten Smartwatches. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, kann sich mit Google Home jetzt den momentan vielversprechendsten Kandidaten für diese ungewisse Zukunft nach Hause holen.

Es ist natürlich unmöglich, in einem solchen Test alle Features von Google Home abzudecken. Wenn ihr Fragen habt: ab damit in den Kommentarbereich! Ich beantworte sie gerne.

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